Strategie

Stakeholdermanagement
GRI
G4-25

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Stakeholder zu kennen, ist eine wichtige Voraussetzung des unternehmerischen Erfolgs. Sie prägen die Entwicklung unserer Absatzmärkte, die regulatorischen Rahmenbedingungen und unsere Reputation als Konzern. Deshalb suchen und pflegen wir den Austausch mit unseren Stakeholdern auf Konzernebene und vor Ort in den Regionen, in denen wir tätig sind. Zu unseren Stakeholdern zählen Analysten und Investoren, Mitarbeiter, Kunden, Nachbarn, Lieferanten, Partner, Politik, Behörden, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen – ein Netzwerk an Beziehungen, das in dem Maße wächst wie unsere Marktpräsenz.

Stakeholderbeziehungen auf Konzernebene

Den direkten Draht zu den Stakeholdern, insbesondere Mitarbeitern, Partnern und Kunden, pflegen vor allem die Marken. Auf Konzernebene versuchen wir, diese Prozesse zu bündeln und konzernweite Themen übergreifend zu diskutieren. Dazu gehört der Dialog mit der Politik, mit Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen. Unser Ziel ist es, Erwartungen zu verstehen und aufzugreifen sowie Verständnis für unsere Positionen und unser Handeln zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, bemühen wir uns um eine stetige Intensivierung unserer Stakeholderdialoge. So wurde von verschiedensten Stakeholdergruppen in hohem Maße gewürdigt, dass der Volkswagen Konzern sich früh zu dem 95-Gramm-Ziel bekannt hat, mit dem die europäische Politik bis 2020 den CO2-Ausstoß der Flotte an Pkw begrenzen will.

Stakeholder des Volkswagen KOnzerns und ihre Erwartungen

Eine Liste der Stakeholderdialoge 2014 finden Sie hier 13

Im Dialog mit der Politik

Auf Konzernebene pflegen wir insbesondere jene Mitgliedschaften, die mit einem intensiven Dialog über Fragen der nachhaltigen Entwicklung verbunden sind und die zur Vernetzung mit nachhaltigkeitsorientierten Unternehmen und unseren Stakeholdern beitragen. Dazu gehören auf internationaler Ebene vor allem das Engagement im renommierten World Business Council für Sustainable Development (WBCSD), die Beteiligung an CSR Europe, einem führenden europäischen Unternehmensnetzwerk zur gesellschaftlichen Verantwortung, und die Mitarbeit im Netzwerk des UN Global Compact. Wir sind außerdem aktives Mitglied bei econsense, dem Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft, sowie bei der internationalen Initiative „Biodiversity in Good Company“. Die Erkenntnisse, die wir daraus gewinnen, geben wir an die Marken und die Regionen weiter. Weitere Mitgliedschaften des Konzerns finden Sie im Internet.  14

Fokusthema

Lobbyismus:
Teil des demokratischen Meinungsstreits

Der Lobbyismus hat zumal in Deutschland keinen guten Leumund. Durch Lobbyisten würden Verbände und Unternehmen in undurchsichtiger Weise Einfluss nehmen auf politische Entscheidungen, heißt es, und oft genug bedienten sich die Einflüsterer dabei fragwürdiger Methoden. Gerade die Automobilindustrie wird beschuldigt, ihre wirtschaftliche Macht auszunutzen und damit die demokratische Willensbildung zu untergraben.

Wer wollte bestreiten, dass auch Lobbyisten fehlbar sind. Regelverletzungen, erst recht Korruption, sind zu kritisieren und müssen bestraft werden. Die generelle Ablehnung des Lobbyismus und die gerade in Deutschland verbreitete Aversion gegen den vermeintlichen Egoismus der Interessengruppen sind dagegen überzogen und inakzeptabel – sie basieren letztlich auf vordemokratischen Idealen.
In einer pluralistischen Gesellschaft ist die Vertretung partikularer Interessen gegenüber der Politik notwendig und völlig legitim. Nicht nur die großen Konzerne betreiben Lobbyismus – Gewerkschaften, Kirchen und Umweltverbände tun es auch (auch wenn sie gelegentlich vielleicht mehr Geschick darin haben, ihre besonderen Anliegen mit dem Gemeinwohl gleichzusetzen). Wichtig ist am Ende, dass alle Interessen Gehör finden und im politischen Entscheidungsprozess gewogen werden. Das ist die Essenz der Demokratie.
Der Volkswagen Konzern hat 118 Produktionsstandorte und weltweit fast 600.000 Mitarbeiter. Ein Unternehmen mit so großer Verantwortung für Ausbildung, Beschäftigung und regionale Entwicklung, Wohlstand und Lebensqualität muss ein ganz elementares Interesse daran haben, dass politische Entscheidungen sachgerecht ausfallen und künftigen Geschäftserfolg nicht erschweren.

Dr. Thomas Steg, Generalbevollmächtigter der
Volkswagen AG und Leiter Außen-
und Regierungsbeziehungen

Die Politik ist auf die Expertise der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteure, auf das Wissen und die Erfahrungen aus der Praxis angewiesen. Wir bei Volkswagen sichern der Politik offene und umfassende Information und zuverlässige und kompetente Beratung zu. Wir stehen für einen Lobbyismus, der durch die besseren Argumente überzeugen will und sich selbst der öffentlichen Kritik stellt.
Die Leitlinien unserer Arbeit als politische Interessenvertreter haben wir im Jahr 2014 erneut gründlich diskutiert und Anfang 2015 beschlossen. Sie sind im Internet jedem zugänglich und dürfen ihrerseits gern kommentiert werden. 15 16

Natürlich gehören zum Dialog mit den Stakeholdern auch kritische Aspekte der eigenen Tätigkeiten. So beispielsweise 2014, als bei der Hauptversammlung die Frage nach der Rolle des Unternehmens während der Militärdiktatur in Brasilien gestellt wurde. Wir haben dazu offen kommuniziert und sind dabei, dieses Kapitel weiter aufzuarbeiten. Bei der Eröffnung der São Paulo International Motor Show forderte Greenpeace do Brasil von Volkswagen und weiteren großen Herstellern, effizientere Fahrzeuge anzubieten. Daraufhin haben wir unsere Produktstrategie gegenüber Greenpeace ausführlich erläutert. Anfragen beantworten wir grundsätzlich offen und zeitnah. So nahmen wir gegenüber LobbyControl 2014 Stellung zu unseren Aktivitäten, gegenüber Greenpeace beantworteten wir eine Anfrage zur Energiewende.

Um das Stakeholdermanagement im Konzern zu systematisieren, haben wir 2014 ein IT-basiertes Issue- und Stakeholdermodul eingeführt. Es hilft, die Relevanz einzelner Stakeholdergruppen zu bewerten und dies mit der Bewertung von Themen zu verknüpfen. Damit ist es Grundlage für ein stakeholderorientiertes Issues Management, das die Reputation des Konzerns stützt und eine engere Koordination der Stakeholderaktivitäten der Marken gewährleistet.

Stakeholderpanel und Evaluation

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Markt, Umwelt und Gesellschaft (imug) haben wir ein Stakeholderpanel etabliert, das unsere Aktivitäten, insbesondere jene der Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichterstattung, seit 18 Jahren verfolgt und jährlich kritisch kommentiert. Im vergangenen Jahr wurde das Verfahren, das bislang detaillierte Interviews mit 33 Vertretern unterschiedlicher Stakeholdergruppen einschloss, um weitere 18 internationale Stakeholdervertreter ausgeweitet. Das erlaubte interessante Vergleiche und schärfte unser Verständnis für die Erwartungshaltungen außerhalb des europäischen Raums. Denn Ziel der Evaluation ist es, den Nachhaltigkeitsbericht, seine Wirkung und seinen Nutzen für die Zielgruppen ständig zu hinterfragen und zu verbessern. Außerdem geben uns die Bewertungen der Stakeholder immer wieder Hinweise auf Schwachstellen in unserer konzernübergreifenden Nachhaltigkeitskoordination. Für den Konzern-Nachhaltigkeitsbericht 2013 gab es insgesamt sehr gute Noten, wobei er von den internationalen Stakeholdervertretern besser bewertet wurde als von den deutschen.

Beim zweiten Audi Stakeholder-Forum 2014 in Berlin stand die Mobilität der Zukunft im Mittelpunkt.

Bewertung des Konzern-Nachhaltigkeitsberichts 2013

Stakeholderdialog der Marken und Gesellschaften

Mit dem Stimmungsbarometer, unserer einheitlichen konzernweiten Mitarbeiterbefragung, erheben wir einmal jährlich die Zufriedenheit der Beschäftigten. Außerdem haben die Marken Audi, MAN, Porsche, SEAT, Volkswagen und Volkswagen Financial Services in den vergangenen Jahren umfangreiche und detaillierte, meist onlinebasierte Stakeholderbefragungen durchgeführt, die wertvolle Erkenntnisse auch für die Bestimmung der wesentlichen Themen für den gesamten Konzern lieferten. Insgesamt deckten die Befragungen einen Stakeholderkreis von rund 126.000 Teilnehmern ab, wovon allerdings 120.000 auf die Kundenbefragung der Marke Volkswagen entfielen. Inzwischen sind die Marken größtenteils zu individuelleren und differenzierten Formen des Stakeholderdialogs übergegangen, um vertiefte Erkenntnisse zu einzelnen Themen oder zu den Erwartungen spezieller Stakeholdergruppen zu erlangen.

Foren und Dialoge der Marken

Kooperationen für Nachhaltigkeit

Sowohl der Volkswagen Konzern wie auch die Marken pflegen intensive und langjährige Kooperationen mit Behörden, Kommunen und Organisationen, die ökologische und soziale Anliegen vertreten. Dahinter steht nicht allein der Wunsch, in der Gesellschaft unterstützend zu wirken, sondern auch jener, externe Perspektiven auf das eigene Handeln kennenzulernen. Neben der langjährigen Partnerschaft mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) ging der Volkswagen Konzern im Jahr 2014 eine Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz ein. Dem vorausgegangen war eine Phase der gegenseitigen Vertrauensbildung und des Abgleichs der Erwartungen. Die Zusammenarbeit startete zunächst projektbezogen in den Bereichen Rettungsdienst in Deutschland sowie Innovationen bei der Erste-Hilfe-Ausbildung. Zu festen Kooperationspartnern des Konzerns zählen weiterhin die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ), SOS Kinderdorf (MAN) und „My Finance Coach“ zur Förderung der finanziellen Allgemeinbildung (Volkswagen Financial Services).

Kooperation mit dem NABU