Umwelt

Eine maßgeschneiderte
Effizienzstrategie
für China Essay

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“. Dieses chinesische Sprichwort drückt hervorragend aus, was wir mit unserer Volkswagen Effizienzstrategie tun. Die ganze Welt verändert sich rasant, doch in China gehen die Uhren immer noch ein bisschen schneller als anderswo. Das Land steht vor großen Herausforderungen: Mehr Wohlstand bei gleichzeitig schonendem Umgang mit Ressourcen. Mehr Innovationen durch die digitale Revolution. Und – selbstverständlich – eine intakte Umwelt für alle. Das sind die Eckpfeiler von Chinas Reformkurs. Und genau diese Eckpfeiler spiegeln auch unsere Ziele für die Zukunft wider.

„Mehr Wohlstand bei gleichzeitig schonendem Umgang mit Ressourcen.“

Die chinesische Regierung steuert in Richtung umweltfreundlicher Technologien und Nachhaltigkeit. Mit einem Flottenverbrauch von 5 Litern gibt ihre Richtlinie zur Senkung der CO2-Emissionen ein ehrgeizigeres Ziel vor als die in der Europäischen Union bis 2020 geplante Reduktion der Emissionen auf 95 g/km. Ehrgeiziger, weil in China nur 1 % aller Autos einen sparsamen Dieselmotor haben und der Wunsch nach geräumigeren und damit schwereren Fahrzeugen in der Bevölkerung groß ist. Deshalb bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes: Wir müssen alle möglichen technischen Lösungen in Betracht ziehen, einschließlich technisch anspruchsvoller Gesamtfahrzeug- und Antriebsstrangmaßnahmen sowie alternativer Antriebssysteme.

Es gilt, den Umweltschutz zu stärken und die CO2-Emissionen weiter zu senken. Der Entwicklung von Elektrofahrzeugen kommt hier eine Schlüsselrolle zu, auch wenn noch andere Faktoren zu berücksichtigen sind. Die chinesische Regierung rechnet mit einem weiteren Anstieg der CO2-Emissionen bis 2030. In die Anstrengungen zur Senkung des CO2-Fußabdrucks müssen alle Verursacher – von Energieversorgern über Privathaushalte bis zu allen Branchen, darunter auch die Automobilindustrie – eingebunden werden. Zugleich werden weitere chinesische Großstädte, wie bereits in Peking, Shanghai oder Guangzhou geschehen, die Neuzulassung von Fahrzeugen künftig restriktiv handhaben und damit die Nachfrage nach alternativen Antrieben steigern.

„Der Entwicklung von Elektrofahrzeugen kommt eine Schlüsselrolle zu.“

Schwerpunkt des Volkswagen Konzerns bei den alternativen Antrieben sind Plug-in-Hybride, die kurz- und mittelfristig die beste Lösung darstellen. Rein elektrische Fahrzeuge werden nur langfristig zu realisieren sein, denn dafür sind einige Voraussetzungen notwendig: Wir müssen gemeinsam mit chinesischen Experten Lösungen finden, um die Entwicklung hocheffizienter Batterien zu fördern. Und wir müssen Wege finden, wie wir sowohl beim herkömmlichen Antrieb als auch beim elektrischen Antrieb die Energieeffizienz weiter verbessern können.

Entscheidend wird die Frage der Ladeinfrastruktur sein. Während sich unsere Plug-in-Hybride problemlos über Nacht an haushaltsüblichen Steckdosen aufladen lassen, bedarf es für die reine Elektromobilität einer eigenen Schnellladeinfrastruktur. Wer derzeit beispielsweise die Strecke von Peking nach Shanghai in einem rein elektrischen Fahrzeug zurücklegen will, kann sich nicht darauf verlassen, unterwegs Lademöglichkeiten zu finden. Doch selbst wenn die Infrastruktur besteht, sind die Ladestandards womöglich nicht einheitlich. Für eine zuverlässige und stabile Technologie brauchen wir deshalb dringend einheitliche Standards. Nur dann können wir unsere Investitionen in die richtige Richtung lenken und auch zur stärkeren Verbreitung der Plug-in-Hybrid-Technologie beitragen.

Dass der Entwicklung neuer Elektrofahrzeuge eine entscheidende Rolle bei der CO2-Reduzierung zukommt, sieht auch die chinesische Regierung und unterstützt sie durch entsprechende Gesetzgebung und finanzielle Anreize. Die jüngsten politischen Initiativen haben 2014 bereits Wirkung gezeigt: Das Produktionsvolumen bei Fahrzeugen mit alternativem Antrieb stieg deutlich. Der Weg in Richtung einer nachhaltigeren Mobilität in China ist eingeschlagen.

Für den Volkswagen Konzern die größte Herausforderung sind die Kosten. Bislang sind die Elektrofahrzeuge noch so teuer, dass die Kunden nur dank staatlicher Förderung zu einer Anschaffung in der Lage sind. Damit sich dies ändert, müssen die Kosten der Batterietechnologie weiter sinken. Da sich Kosten aber auch durch eine Erhöhung der Stückzahlen und Serienproduktion einsparen lassen, erwarten wir künftig eine Angleichung des Preisniveaus von Elektrofahrzeugen und herkömmlichen Modellen. Dank unserer modularen Baukastenstrategie sind wir ohnehin in der Lage, fast jedes Modell in unserem Programm zu elektrifizieren, um die Bedürfnisse der Kunden in allen Segmenten und Fahrzeugklassen zu erfüllen.

„Das Elektroauto darf kein Kompromiss auf Rädern sein.“

Unser Ziel ist es, China mit einer maßgeschneiderten neuen Elektrofahrzeugstrategie zu „elektrisieren“. Bereits in naher Zukunft werden unsere chinesischen Kunden aus einem eindrucksvollen Spektrum von mehr als zwanzig Elektrofahrzeugen wählen können – von Plug-in-Hybriden bis hin zu Modellen mit rein elektrischen Antrieben, vom Kleinwagen bis hin zu großen Limousinen und SUVs. Wir sind überzeugt: Das Elektroauto darf kein Kompromiss auf Rädern sein. Es muss vielmehr in jeder Hinsicht perfekt sein: technisch ausgereift, praktisch, sicher und erschwinglich.

Prof. Dr. Jochem Heizmann, Mitglied des Vorstands der Volkswagen Aktiengesellschaft,
zuständig für den Geschäftsbereich ,China‘