Umwelt

Konzernweite Ansätze

Der hohe Innovationsdruck und die steigenden Anforderungen der CO2-Gesetzgebung an die Automobilindustrie erfordern vom Konzern hohe Forschungs- und Entwicklungsausgaben. 2014 wendete der Volkswagen Konzern 11,5 Mrd. € für Forschung und Entwicklung auf. Diese Ausgaben werden in den kommenden Jahren noch weiter steigen: Von 2015 bis 2019 will der Volkswagen Konzern im Bereich Automobile 85,6 Mrd. € in neue Modelle, innovative Technologien und seine globale Präsenz investieren. Rund zwei Drittel der Gesamtinvestitionen fließen in effizientere Fahrzeuge, alternative Antriebe und eine umweltschonendere Produktion. Allein für die Entwicklung sieht das Investitionsprogramm 21,9 Mrd. € vor. In den Gesamtaufwendungen von 85,6 Mrd. € nicht enthalten sind die Investitionen der Gemeinschaftsunternehmen in China. Sie werden von 2015 bis 2019 zusätzlich 22,0 Mrd. € in neue Werke und Produkte investieren, finanziert aus eigenen Mitteln der Joint-Venture-Gesellschaften.

Klimaschutzstrategie

Der Klimaschutz steht im Mittelpunkt des Umweltmanagements im Konzern, über alle Stufen der Wertschöpfung hinweg. Zu unserer Klimaschutzstrategie berichten wir regelmäßig an das von großen Investmentgesellschaften begründete CDP (vormals: Carbon Disclosure Project). 2014 wurde der Volkswagen Konzern hier erneut mit 99 von 100 Punkten für seine Transparenz und Bestnote A für seine Performance ausgezeichnet (siehe "Ratings und Indizes") und in beide Leadership Indices aufgenommen.
Die absoluten CO2-Emissionen aus der eigenen Energieerzeugung an den Produktionsstandorten (Scope 1) sowie der zugekauften Energie (Scope 2) sind in den letzten Jahren leicht gestiegen, während die spezifischen Emissionen (in kg je Fahrzeug) gesunken sind – erklären lässt sich dies durch das gestiegene Produktionsvolumen sowie den vermehrten Bezug von Fremdenergie (siehe "Kennzahlen"). Es gehört zu den herausragenden Umweltzielen des Konzerns, den spezifischen Energiebedarf je Fahrzeug bei der Herstellung bis 2018 um 25 % zu reduzieren (Basisjahr 2010), im gleichen Umfang sollen die spezifischen CO2-Emissionen sinken.
Für die deutschen Standorte, die derzeit etwa 45 % des konzernweiten CO2-Ausstoßes in der Produktion verursachen, hat der Volkswagen Konzern sich ein noch ehrgeizigeres Ziel gesetzt: Die CO2-Emissionen in der Energieversorgung in Deutschland sollen bis 2020 gegenüber 2010 um 40 % sinken. Erreichen wollen wir dies durch Steigerung der Energieeffizienz, den teilweisen Brennstoffersatz von Kohle durch Gas in der Energieeigenerzeugung und den Bezug von Strom aus regenerativen Quellen. Wir warten dringend auf klare politische Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft, um weitere Investitionen in unseren Kraftwerkumbau tätigen zu können.

Den ersten XL1• lieferte Volkswagen im Mai 2014 aus. Mit einem Normverbrauch von 0,9 l/100 km ist es das erste Ein-Liter-Auto der Welt.

Instrument Treibhausgasinventar (Scope 3)

Von zentraler Bedeutung ist neben dem produktionsbedingten Energiebedarf der Kraftstoffverbrauch unserer Fahrzeugflotte. Seit 2012 veröffentlicht der Volkswagen Konzern ein sogenanntes Scope-3-Inventar für CO2-Emissionen (siehe "Scope-3-THG-Emissionen Konzern (PKW, leichte NFZ)"). Es entspricht dem Scope-3-Standard des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) und des World Resources Institute (WRI). In diesem Inventar werden die CO2-Emissionen bilanziert, die außerhalb der Werkstore entstehen: zum Beispiel in der Lieferkette sowie bei der Nutzung und der Verwertung der Fahrzeuge. Weitere Beispiele für Emissionsquellen, die im Rahmen des Scope-3-Inventars erfasst werden, sind Logistikprozesse und Dienstreisen. Sowohl hinsichtlich der Datensammlung als auch der -interpretation stellt diese erweiterte Bilanzierung Unternehmen vor große Herausforderungen. Mit der Erfassung von 12 der 15 Kategorien des Scope-3-Inventars nimmt der Volkswagen Konzern hier eine Vorreiterrolle ein.
Unsere Daten zeigen, dass die Emissionskategorie „Beschaffte Güter und Dienstleistungen“ mit etwa 17 % und die „Nutzungsphase“ mit 75 % im gesamten Scope-3-Inventar zu Buche schlagen. Die Daten dieser beiden Kategorien lassen wir von einem externen Gutachter prüfen. Das Inventar zeigt: Unser wirksamster Hebel, die CO2-Emissionen zu senken, ist die Entwicklung verbrauchsarmer Fahrzeuge.


Antriebs- und Kraftstoffstrategie

Die Antriebs- und Kraftstoffstrategie des Volkswagen Konzerns steht für die konsequente Effizienzsteigerung von Benzin- und Dieselmotoren, ein Angebot von Erdgasfahrzeugen sowie die weitere Elektrifizierung der Modellpalette (siehe ausführlich "Produktplanung und -entwicklung"). Ein Ergebnis dieser Anstrengungen: Der Volkswagen Konzern ist der weltweit führende Autohersteller auf dem Gebiet innovativer Antriebstechnologien – so das Fazit des Center of Automotive Management (siehe "Produktverantwortung"). Ziel ist es darüber hinaus, fossile Kraftstoffe durch erneuerbare zu ersetzen. Unser langfristiges Ziel ist die CO2-neutrale Mobilität.
Unsere Kunden weltweit wählen derzeit noch überwiegend konventionelle Antriebe. Daher wird es ein Nebeneinander von konventionellen Verbrennungsmotoren und elektrifizierten Antrieben noch lange geben. Diese Koexistenz wird begleitet von einer stetigen Zunahme des Anteils CO2-neutraler Energieträger, etwa in Form regenerativ erzeugten Stroms für Elektrofahrzeuge oder Biokraftstoffe der nächsten Generation; hier sind besonders das aus Reststoffen gewonnene Biomethan sowie synthetisches Erdgas von Bedeutung.

Der Volkswagen Konzern ist der weltweit führende Autohersteller auf dem Gebiet innovativer Antriebstechnologien.

Eine wichtige Querschnittstechnologie im Bereich der nachhaltigen Energieversorgung ist die Speicherung von Ökostrom in Form von synthetischen Kohlenwasserstoffen. Seit 2013 ist in Werlte (Deutschland) die Audi e-gas Anlage als weltweit erste industrielle Power-to-Gas-Anlage am Netz, die aus Windstrom, CO2 und Wasser in einem chemischen Prozess synthetisches Methan erzeugt. Der Strom hierfür wird vorzugsweise dann bezogen, wenn im Stromnetz ein Überangebot vorhanden ist und beispielsweise Windkrafträder abgeschaltet werden müssten. Im ersten Schritt wird dieser überschüssige Grünstrom genutzt, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Letzterer könnte zukünftig als Treibstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge dienen, doch fehlt zur Speicherung, Verteilung und Betankung heute noch eine flächendeckende Infrastruktur. Deshalb folgt die Methanisierung als zweiter Verfahrensschritt, bei dem Wasserstoff und CO2 zu synthetischem Methan reagieren. Das so erzeugte Audi e-gas erfüllt die gleichen Qualitätsnormen wie fossiles Erdgas und wird seit Herbst 2013 in das deutsche Erdgasnetz eingespeist. So kann es bundesweit an CNG-Tankstellen über eine spezielle Tankkarte bezogen werden. Mit dem e-gas aus Werlte können nach heutigen Prognosen bis zu 1.500 Audi A3 Sportback g-tron jährlich jeweils 15.000 km CO2-neutral zurücklegen (siehe "Umweltbewusste Nutzung").
Das Audi e-gas project weist weit über die Automobilindustrie hinaus: Neben dem Potenzial des CO2-neutralen, erneuerbaren Kraftstoffes zeigt es eine Möglichkeit zur Energiespeicherung. Große Mengen Wind- oder Solarenergie können effizient und ortsunabhängig gespeichert werden, indem sie in Methangas umgewandelt und im Gasnetz eingelagert werden. Mittlerweile haben große deutsche Energieversorger die Idee der Strom-Gas-Kopplung (Power-to-Gas) aufgegriffen und folgen Audi mit ersten eigenen Projekten.

Bekenntnis zu Emissionszielen

Im Rahmen unseres Engagements im World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) unterstützen wir die „WBCSD Road to Paris“, die auf erfolgreiche Diskussionen zur Realisierung des 2-Grad-Ziels bei der Ende 2015 in Paris stattfindenden Klima-konferenz der Vereinten Nationen (COP 21) abzielt.
Bereits im März 2013 bekannten wir uns dazu, den CO2-Ausstoß der europäischen Neuwagenflotte bis 2020 auf 95 g/km zu reduzieren. Damit verpflichtete sich der Volkswagen Konzern als erster und einziger Automobilhersteller zu diesem ehrgeizigen Ziel und nimmt eine Vorreiterrolle ein.
Die Emissionen entsprechen einem Durchschnittsverbrauch von weniger als 4 l (genauer: 4,1 l Benzin bzw. 3,6 l Diesel) – über alle Segmente und Fahrzeugklassen hinweg. Greenpeace Deutschland bezeichnete diese Entscheidung als „wichtiges Signal, sich für den Schutz der Umwelt und Gesellschaft einzusetzen und klimafreundliche technische Lösungen in Serie zu fertigen“. 57 Modellvarianten des Konzerns erfüllen bereits heute das Ziel von 95 g CO2/km.
Die EU-Vorgabe für das Jahr 2015 lautet für den Volkswagen Konzern: 132 g CO2/km im Durchschnitt der Pkw-Neuwagenflotte. Dieses Ziel haben wir früher erreicht als vorgeschrieben, wie der im November 2014 von der Europäischen Kommission bestätigte und veröffentlichte Wert (EU-Amtsblatt L315) zeigt: 2013 hatten die Pkw-Neuwagen des Volkswagen Konzerns einen durchschnittlichen CO2-Emissionswert von 129 g/km (nach den Daten, die bis Redaktionsschluss dieses Berichts vorlagen, lag dieser Wert 2014 bei 126 g).

Antriebs- und Kraftstoffstrategie

Mit dem TGX Hybrid stellte MAN auf der Fachmesse IAA Nutzfahrzeuge im September 2014 ein Konzept-Hybridfahrzeug für den Fernverkehr vor.

Der Audi A3 g-tron bewegt sich in Verbrauchsregionen, die bisher Kleinstwagen vorbehalten waren.

Für leichte Nutzfahrzeuge (Vans) lauten die CO2-Zielwerte der EU 175 g/km ab 2017 und 147 g/km ab 2020. Auch hier stehen wir sehr gut da: 2014 hatten die neuen Modelle von Volkswagen Nutzfahrzeuge einen durchschnittlichen CO2-Emissionswert von 171 g/km. Auch in anderen wichtigen Märkten haben die Gesetzgeber inzwischen Emissionshöchstwerte für die Pkw-Neuwagenflotten beschlossen. So erfüllt Volkswagen Pkw die seit 2012 in China gültige Gesetzgebung zum Flottenverbrauch und wird Maßnahmen ergreifen, ihn weiterhin ambitioniert zu senken – unter anderem durch die Effizienzsteigerung unserer Verbrennungsmotoren und die Einführung alternativer Antriebstechnologien. Ab 2015 gilt in China ein Verbrauchswert von 6,9 l/km für die Neuwagenflotte. In den USA und Kanada gilt ab 2025 die Einhaltung von 103 g CO2/km als verpflichtend.

Durch den effizienten Einsatz von Ressourcen reduzieren wir Umweltbelastungen und Herstellungskosten.

Das Testverfahren NEFZ in der Kritik

Wiederholt haben Umweltorganisationen den Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) kritisiert, das in der EU gebräuchliche Verfahren, um den Kraftstoffverbrauch von Pkw zu messen: Der NEFZ mit seinem 20-minütigen Testzyklus auf dem Prüfstand käme zu deutlich geringeren CO2-Emissionswerten als in der heutigen realen Fahrpraxis. Doch wie alle anderen Automobilhersteller müssen wir uns an das rechtlich vorgeschriebene Testverfahren halten. Wir können deshalb keine anderen Werte ausweisen als die durch den NEFZ ermittelten. Die Europäische Union erwägt nun, das neue „World Light Vehicles Test Procedure“ (WLTP) einzuführen, das den heu-tigen Fahrgewohnheiten mehr entsprechen soll. Wie der NEFZ soll das WLTP ein objektiver Maßstab sein, um technische Produkte zu vergleichen. Die Phase bis zur geplanten Einführung des WLTP sollte genutzt werden, um ein transparentes und dauerhaft belastbares Umrechnungsverfahren zu schaffen. Denn auch die bisher geltenden EU-Ziele für 2020, die eine Emissionsreduktion auf 95 g CO2/km vorsehen, basieren auf den Werten, die der NEFZ ermittelt.


Ressourceneffizienz

Das Thema Ressourceneffizienz hat für Volkswagen eine herausragende strategische Relevanz. Es bedeutet für uns, dass unsere Produkte im Verlauf des gesamten Lebenszyklus so wenig natürliche Ressourcen in Anspruch nehmen wie möglich. Mit dem effizienten Einsatz von Ressourcen wollen wir Umweltbelastungen reduzieren und gleichzeitig Herstellungskosten senken. Wir betrachten dabei die Ressourcen Rohstoffe, Energie, Wasser, Luft und Land und orientieren uns damit an den Empfehlungen der European Resource Efficiency Platform der EU.
Ressourceneffizienz betrifft bei Volkswagen das gesamte Unternehmen. Die unterschiedlichen Geschäftsbereiche leisten dafür ihren spezifischen Beitrag und messen und steuern mit ihren individuellen Kenngrößen. Die systematische Planung und Umsetzung koordiniert der Konzernarbeitskreis Ressourceneffizienz, der Vertreter aus verschiedenen Geschäftsbereichen und Marken vereint. Aktuell arbeitet der Konzernarbeitskreis an einer Methodik, Ressourceneffizienz anhand von konkreten Indikatoren messbar zu machen. Da der Begriff in der Öffentlichkeit sehr breit interpretiert wird und je nach Perspektive verschiedenste Umweltaspekte umfasst, besteht hier die Herausforderung, Indikatoren zu entwickeln, die den Begriff einerseits prägnant beschreiben und andererseits zur Steuerung für die Entscheidungsträger im Unternehmen geeignet sind. Parallel wird derzeit ein Pool von Best-Practice-Beispielen für Ressourceneffizienz zusammengestellt, die dann für andere Geschäftsbereiche und Marken bereitgestellt werden sollen. 46

Umweltschutz im frühestmöglichen Stadium der Produktentstehung.