Umwelt

Produktion und Logistik

Bis 2018 will der Volkswagen Konzern den spezifischen Bedarf an Energie und Wasser, die CO2- und Lösemittelemissionen (VOC) sowie das Aufkommen an Abfällen zur Beseitigung je produzierter Einheit gegenüber 2010 um 25 % reduzieren. Das Ziel gilt für alle Produktionsstandorte des Konzerns und baut auf den allgemeinen ökologischen Anforderungen an die Fertigungsprozesse auf, die in den Umweltgrundsätzen formuliert sind.
Unsere Kennzahl heißt „Umweltentlastung Produktion“ (UEP). Bis Ende 2014 hatten wir mit einer Umweltentlastung von 19,3 % (Stand 2013: 12,5 %) bereits mehr als die Hälfte des Wegs zu unserem Ziel erreicht. Der Zwischenstand Ende 2014 gegenüber 2010 für die einzelnen Ziele (in Klammern der Stand von 2013):

  • Spezifischer Energiebedarf: – 18,5 % (– 12,5 %)
  • Spezifische CO2-Emissionen: – 23,2 % (– 19,5 %)
  • Spezifischer Wasserbedarf: – 6,9 % (– 4,6 %)
  • Spezifische VOC-Emissionen: – 26,1 % (– 12,3 %)
  • Spezifischer Abfall zur Beseitigung: – 21,7 % (– 13,8 %)

Umweltorientierte Produktion

Um die Konzernziele bis 2018 erfüllen zu können, haben die Marken eigene Umweltprogramme für die Produktion entwickelt (siehe „Umweltprogramme und -initiativen der Marken“). Bei Volkswagen heißt dies „Think Blue. Factory.“: Damit konkretisiert die Marke Volkswagen seit 2012 ihren Anspruch an nachhaltiges Handeln auch in der Produktion. 49
Weltweit nehmen 27 Produktionsstandorte der Marke Volkswagen an „Think Blue. Factory.“ teil. Seit Beginn des Programms haben diese Werke bis Ende 2014 bereits mehr als 2.700 von insgesamt über 5.000 Projekten erfolgreich umgesetzt. Unverzichtbar für den Erfolg von „Think Blue. Factory.“ ist das Engagement der Mitarbeiter. Seit 2013 gibt es an den teilnehmenden Standorten „Botschafter“; das sind zu Umweltthemen speziell geschulte Sachkundige. Inzwischen sind weltweit mehr als 1.000 davon als direkte Ansprechpartner und Multiplikatoren für die Mitarbeiter in der Produktion aktiv. Der Konzernbetriebsrat unterstützt das Programm nachdrücklich und hat selbst bereits rund 250 Betriebsräte zum Thema geschult. Das Programm erhielt bisher 30 Auszeichnungen. Im Jahr 2014 unter anderem den National Energy Globe der Energy Globe Foundation (Österreich) und die Goldmedaille für nachhaltige Entwicklung und umweltbewusstes Wirtschaften vom World Environment Center (USA).

Carbon Trust Standard

Bentley ist der erste britische Automobilhersteller, der dreifach mit dem „Carbon Trust Standard“ für CO2-, Wasser- und Abfallreduktion ausgezeichnet wurde. Damit wurden die beträchtlichen Reduktionen, die Bentley an seinem Hauptstandort in Crewe (Großbritannien) in diesen drei Gebieten erzielte, gewürdigt.


Ressourceneinsatz in der Produktion

Unsere Forscher und Entwickler arbeiten intensiv daran, Karosserien leichter zu machen. Denn diese machen etwa 40 % der Gesamtmasse eines Fahrzeugs aus. Eine Möglichkeit ist die Integration unterschiedlicher Funktionen in einem Bauteil. Der Einsatz von Werkstoffen mit geringerer Dichte ist ein weiterer Ansatz. Bei der Abwägung sind neben wirtschaftlichen auch weitere ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Die Marken des Volkswagen Konzerns betrachten deshalb stets den gesamten Lebenszyklus von der Herstellung bis zur Verwertung.
Ein Beispiel ist der Einsatz von Aluminium als Alternative zu Stahl: Das Fahrzeuggewicht und damit die CO2-Emissionen in der Nutzungsphase ließen sich dadurch deutlich verringern. Allerdings erfordert die Produktion von Aluminium im Vergleich zur Stahlerzeugung einen erheblich höheren Energieaufwand und führt damit zu höheren CO2-Emissionen – ein ökologischer Nachteil, der erst nach hohen Laufleistungen kompensiert wird. Dann ist da noch der wirtschaftliche Nachteil: Da Aluminium wesentlich teurer ist als Stahl, erhöht es den Verkaufspreis eines Fahrzeugs spürbar. Und so dominiert bei Klein- und Mittelklasse-Fahrzeugen als Karosseriewerkstoff weiterhin Stahl.
Doch auch mit Stahl ist Leichtbau möglich: Der Einsatz von hoch- und höchstfesten Stahlgüten verringert die Bauteilwandstärke und reduziert – bei gleichbleibender Crashperformance – das Gesamtgewicht der Karosserie. Eine weitere Möglichkeit, effizienten Stahlleichtbau zu betreiben, ist der Einsatz unterschiedlicher Stahlgüten abhängig davon, wo welche Steifigkeit notwendig ist.

Alternativen aus Kunststoff

Audi hat 2014 gezeigt, dass sich auch das Gewicht von Fahrwerksfedern deutlich reduzieren lässt. Die gemeinsam mit einem italienischen Lieferanten entwickelte Fahrwerksfeder aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) ist mit 1,6 kg um 40 % leichter als eine vergleichbare Stahlfeder für ein Modell der oberen Mittelklasse. Gemeinsam senken vier GFK-Federn das Fahrzeuggewicht um ganze 4,4 kg. Audi spart damit nicht nur Gewicht, sondern erhöht zusätzlich die Fahrpräzision und den Schwingungskomfort durch die Reduktion ungefederter Massen. Die GFK-Federn sind zudem korrosionsbeständig und erfordern bei der Produktion sehr viel weniger Energie als Stahlfedern.


Der Einsatz recycelter Werkstoffe und nachwachsender Rohstoffe kann die Ökobilanz eines Fahrzeugs natürlich entscheidend verbessern und wirtschaftlich sinnvoll sein. Wie hoch der Anteil von Rezyklaten in neuen Fahrzeugen heute schon ist, hat die Marke Volkswagen für fünf Modelle berechnet (Polo 5, Sharan NF, Golf 6, Golf 7, Passat 8): Auf das Gewicht bezogen bestehen diese Modelle inzwischen zu rund einem Drittel aus Recyclingmaterial. 50

Etwa 40 % der Gesamtmasse eines Fahrzeugs werden durch die Karosserie bedingt.

Wo dies möglich ist, verwenden die Marken des Konzerns nachwachsende Rohstoffe in der Produktion, beispielsweise Naturfasern wie Flachs, Baumwolle, Holz, Zellulose und Hanf für die Bodendämpfung, Kofferraum-, Tür- und Seitenverkleidungen oder Motorhaubenisolierungen. So werden beispielsweise beim Golf Sportsvan Kenaf- und Flachsfasern in der Armauflage, Papier im Ladeboden und in der Dachversteifung oder Baumwollfaser in der Bodendämpfung verwendet. 51

Werkstoffaufteilung Golf


Energieverbrauch und CO2-Emissionen

Im Berichtszeitraum konnte der spezifische Energieverbrauch je Fahrzeug kontinuierlich gesenkt werden. Bedingt durch die Erhöhung der Produktionsmengen kam es jedoch zu einem Anstieg des absoluten Energieverbrauches, wobei gegenüber dem Vorjahr ein leichter Rückgang zu verzeichnen war (siehe „Energieverbrauch“). Rund ein Drittel unserer weltweit verbrauchten elektrischen Energie stammt inzwischen aus regenerativen Quellen. Von 2012 bis 2020 investiert der Volkswagen Konzern etwa 600 Mio. € in den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien – in Wind- und Wasserkraft, Fotovoltaik und Biomasse; 2014 beliefen sich die Investitionen auf rund 23 Mio. €. Zudem investierten wir bisher im Rahmen des Brennstoffwechsels rund 15 Mio. € für unser BHKW in Braunschweig und rund 65 Mio. € in die GuD-Anlage Kassel. Bis 2014 waren bereits alleine über 25 Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 60 MW an unseren Standorten installiert. Damit lassen sich etwa 20.000 Privathaushalte mit Strom versorgen. Darüber hinaus haben sich verschiedene Marken ambitionierte eigenständige Ziele gesteckt. Lamborghini beispielsweise will bis 2015 seine Produktionsprozesse klimaneutral gestalten. Die 17.000 m² große Fotovoltaikanlage auf dem Dach der zentralen Produktionshalle am Standort Sant’Agata ist dafür ein wichtiger Meilenstein.

Der „Volkswagen Chattanooga Solar Park“ ist die größte Solaranlage eines Automobilherstellers in den USA.

SEAT weihte Ende 2013 mit SEAT al Sol den größten Dach-Solarzellenpark der Autoindustrie in Martorell (Spanien) ein.

Rund ein Drittel unserer weltweit verbrauchten elektrischen Energie stammt inzwischen aus regenerativen Quellen.

Große Fotovoltaikanlagen bestehen zudem an den Standorten Emden (Deutschland), Crewe (Großbritannien), Martorell (Spanien) und Chattanooga (USA) – und der Konzern baut das Potenzial weiter aus: Anfang 2014 nahm das Volkswagen Werk Braunschweig seine zweite Fotovoltaikanlage in Betrieb. Die Module mit einer Fläche von 3.000 m² bringen einen Jahresertrag von 363 MWh, die CO2-Emissionen sinken um bis zu 281 t. Auch am Volkswagen Standort Zwickau ging 2014 eine Fotovoltaikanlage in Betrieb. Mit einer Fläche von 900 m² erzeugt sie jährlich 90 MWh Strom für die Fahrzeugendmontage und vermeidet bis zu 80 t CO2.
Im November 2014 begannen in unmittelbarer Nähe des Audi Werks bei Gyo˝r (Ungarn) die Bohrungen für eine Geothermieanlage. Nach ihrer Inbetriebnahme – voraussichtlich Ende 2015 – soll sie jährlich mindestens 82.000 MWh Wärmeenergie liefern und so etwa 60 % des gesamten Bedarfs des Werks decken. Audi würde seinen CO2-Ausstoß damit um weitere 23.000 t senken.
Im Zuge der Werkserweiterung am Standort Leipzig konnte Porsche gegenüber einer konventionellen Bauweise eine jährliche CO2-Ersparnis von 11.637 t CO2 erzielen. Der größte Beitrag wird hierbei durch die Nutzung der Abwärme aus der nahe gelegenen Hackschnitzelfeuerungsanlage geleistet. Durch sie erfolgt die Wärmeversorgung am Standort zu fast 80 % CO2-neutral. Zudem werden dadurch etwa 360.000 € pro Jahr eingespart. Einen wichtigen Beitrag leistet auch die für den Eigenbedarf errichtete Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Karosseriefertigung. 2014 erbrachte diese bei nur geringer Auslastung eine Einsparung von zusätzlichen 115 t CO2. Bei optimaler Sonneneinstrahlung besteht für Porsche hier zukünftig ein jährliches Einsparpotenzial von mindestens 1.000 t CO2. 2014 konnte MAN rund 105.400 t CO2 an den Produktionsstandorten einsparen, das sind etwa 19 % gegenüber 2008 und 5 %-Punkte mehr als im Vorjahr. Dieses Ergebnis resultiert aus einer Vielzahl von Maßnahmen, wie beispielsweise effizienteren Produktionstechnologien, optimierten Heizungs- und Lüftungsanlagen sowie dem Einsatz erneuerbarer Energiequellen, wie beispielsweise der Installation einer Fotovoltaikanlage am südafrikanischen Standort Pinetown.
Über das intranetbasierte Konzern -IT-Tool „Massnahmen@web“ wurden konzernweit über 1.500 Maßnahmen zur Optimierung der Prozesse im Bereich Energie und Umwelt für den Berichtszeitraum 2014 dokumentiert. Diese weisen eine CO2-Einsparung von 195.000 t, eine Energieeinsparung von 505 GWh pro Jahr und eine Kosteneinsparung von über 30 Mio. € aus.

Mitarbeiterideen für Einsparpotenziale

Wir kennen das Thema schon aus den privaten Haushalten – ein erheblicher Anteil des Energieverbrauchs fällt an, obwohl Geräte gar nicht genutzt werden, der sogenannte Standby-Verbrauch. Konsequentes Abschalten ist hier die Lösung. Vielschichtige Abhängigkeiten der Anlagen einer Fabrik gestalten das Abschalten aber zum Teil komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint. Um besser kenntlich zu machen, wann welche Aggregate abgeschaltet werden sollen, kamen Mitarbeiter aus den Standorten Kassel und Emden auf die Idee, die von Haushaltsgeräten bekannten Energieeffizienzlabel zu verwenden, und entwickelten hierfür eine eigene Systematik. Der Mitarbeiter in der Produktion sieht nun auf einen Blick, wie viel er mit dem Abschalten seiner Anlage einsparen kann. Gibt es betriebliche Gründe, nicht den Hauptschalter zu betätigen, ist auf dem Energielabel ein rotes „Nein“ vermerkt mit dem Zusatz, welche Teile auf keinen Fall ausgeschaltet werden dürfen. Allein in einer Abteilung des Werks Kassel reduzierte das systematische Ausschalten aller Anlagen in produktionsfreier Zeit den CO2-Ausstoß um 120 t. Das Potenzial der Grundlastabsenkung wurde durch jährliche Wettbewerbe der Standorte und Fertigungsbereiche in den Marken Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge bereits 2011 in den Fokus des Managements und der Mitarbeiter gerückt. Begleitend wurden ein Prozessstandard und ein Handbuch mit Empfehlungen und Maßnahmen erarbeitet, sodass regelmäßig an allen Standorten dieser Marken ein Grundlastmonitoring durchgeführt und berichtet wird.


Wichtige Impulse für weitere Einsparpotenziale bekommen die Marken des Konzerns durch ihre Teilnahme an Forschungsprojekten mit externen Partnern. Ein Beispiel ist die deutsche „Innovationsallianz Green Carbody Technologies“ (InnoCaT), an der die Marken Volkswagen und Audi teilnehmen. In einem InnoCaT-Forschungsprojekt untersuchten Siemens, Volkswagen und ein Fraunhofer-Institut die Bewegungsabläufe von Fertigungsrobotern und entwickelten ein Simulationsmodell, das die energetisch besten Bahnkurven für Roboter errechnet, denn fließende Bewegungen verbrauchen deutlich weniger Strom. Tests zeigten, dass sich der Energieverbrauch auf diese Weise fast halbieren lässt. Ziel des Projekts ist eine Software, mit der bestehende Fertigungsroboter auf eine energieeffizientere Arbeitsweise umprogrammiert werden können, ohne Änderungen im Produktionsablauf vornehmen zu müssen.

Green IT

Der Volkswagen Konzern verfolgt seit vielen Jahren das strategische Ziel, den Stromverbrauch bei IT-Komponenten zu senken. Im Rahmen der letzten PC-Ausschreibung Anfang 2014 wurden konzernweit einheitliche Anforderungen für energieeffiziente PC-Arbeitsplatzhardware gestellt. So wurde beispielsweise entschieden, nur noch sparsame TFT-Monitore mit LED-Hintergrundbeleuchtung einzusetzen. Zudem werden nur noch energieeffiziente Desktop-PCs und Laptops im konzernweiten Warenkorb zugelassen. Alle Gesellschaften weltweit haben die Möglichkeit, diese Hardware über ein zur Verfügung gestelltes B2B-Portal zu bestellen. Ende 2014 nutzten bereits 150 Gesellschaften in 35 Ländern diesen zentralen Warenkorb. Die konzernweite Einführung neuer energieeffizienter und umweltfreundlicher Geräte, die im zentralen Warenkorb zur Auswahl stehen, wird den Strombedarf 2014 um etwa 47.000 Megawattstunden (MWh) senken. Bezogen auf einen einzelnen PC-Arbeitsplatz bedeutet dies eine Reduzierung des durchschnittlichen Jahresstromverbrauchs von bislang 206 Kilowattstunden (kWh) auf etwa 60 kWh. Im Rahmen des von der Europäischen Kommission unterstützten EuroEnergest Projects bewies SEAT im Jahr 2014, dass intelligente IT-Systeme den Energiebedarf optimieren, den Einsatz regenerativer Energien maximieren und damit eine Energieeinsparung von 10 % realisieren.

Emissionshandel

Das Verfahren für die Zuteilung von CO2-Zertifikaten im Emissionshandelssystem der Europäischen Union hat sich mit Beginn der dritten Handelsperiode (2013 – 2020) grundlegend geändert: Seit 2013 werden Emissionsberechtigungen für Stromerzeuger kostenpflichtig versteigert, für das produzierende Gewerbe und bestimmte Energieerzeugungsanlagen (zum Beispiel KWK-Anlagen) wurde ein Teil der Zertifikate anfangs noch kostenlos zugeteilt. Mit dem Voranschreiten der Handelsperiode nimmt deren Menge aber stetig ab; benötigte Restmengen sind entweder kostenpflichtig zu ersteigern oder über Guthaben aus Klimaschutzprojekten („Joint Implementation“ und „Clean Development Mechanism“) zu decken. Vom europäischen Emissionshandel betroffen sind 30 Standorte des Volkswagen Konzerns. Für 2014 bekam der Konzern noch 1.090.262 kostenlose Emissionszertifikate zugeteilt (169.925 weniger als im Vorjahr). Neben der Europäischen Union überlegen auch andere Länder, in denen der Volkswagen Konzern Produktionsstandorte hat, ein Emissionshandelssystem einzuführen. In China beispielsweise sind sieben entsprechende Pilotprojekte angelaufen, bei denen der Volkswagen Konzern bisher aber nicht einbezogen ist. Die chinesische Regierung plant, diese Pilotprojekte zu einem nationalen Emissionshandelssystem auszubauen.


Auszeichnungen für nachhaltiges Bauen

Mit der intern vergebenen Auszeichnung „Blue Building“ möchten wir den Bau energieeffizienter und nachhaltiger Immobilien innerhalb des Volkswagen Konzerns fördern. Die gesetzlichen Anforderungen an den Energieverbrauch müssen dabei deutlich unterschritten werden. Das zusätzliche Prädikat „Plus“ wird vergeben, wenn die Gebäude darüber hinaus auch besonders mitarbeiterfreundlich, kosteneffizient im Betrieb und umweltbewusst geplant und konstruiert sind. Aktuell werden verschiedene im Bau befindliche Gewerbeimmobilien und Wohngebäude hinsichtlich der „Blue Building“-Ziele optimiert – Vorbild ist ein neuer Bürotrakt, der über 35 % mehr Energie einspart als gesetzlich gefordert.
Eine externe Auszeichnung in Form des „Zertifikats in Gold“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhielt das Volkswagen Motorenwerk in Chemnitz im November 2014. Die Jury überzeugten hierbei insbesondere die Entwicklung des Werks in ausgewogener Balance mit seinem Umfeld sowie die ressourceneffiziente Anlagentechnik.


Das Volkswagen Werk Pamplona (Spanien): Trotz deutlich gestiegener Produktion konnte es seinen absoluten Wasserbedarf von 2001 bis 2014 halbieren.

Wasserbedarf

Trotz der gestiegenen Zahl der Standorte im Konzern konnte der Frischwasserverbrauch pro Fahrzeug 2014 gesenkt werden (siehe „Frischwasser und Abwasser“). Wir wissen, dass der Ressource Wasser in vielen Regionen der Welt eine große Bedeutung zukommt und dies mit zunehmenden Herausforderungen verbunden ist, und haben deswegen 2014 Wasser als Fokusthema gesetzt. Auf Basis der umfassenden Datengrundlage unserer Umweltbilanzen leisteten wir bereits im Rahmen eines Water Footprints 2013 Pionierarbeit und identifizierten für repräsentative Modelle der Marke Volkswagen Prozesse mit den höchsten Wasserverbräuchen im Lebenszyklus. Die Analyse zeigt, dass die Nutzungsphase hier nur eine untergeordnete Rolle spielt: Ein Großteil des Wasserverbrauchs entfällt auf den Herstellungsprozess, davon das meiste auf die Lieferkette. Eine 2014 erstellte Bestandsaufnahme macht deutlich, dass Wassereinsparung für den Volkswagen Konzern dennoch von großer Bedeutung ist: 58 % unseres gesamten Frischwasserbedarfs – das sind rund 24 Mio. Kubikmeter (m³) – sind Standorten zuzuordnen, die in Risikozonen der Grundwasserbildung liegen. Dazu gehören vor allem Mexiko, Spanien, Südafrika, Indien und China.
Wir berücksichtigen in unserem Umweltmanagement die Tatsache, dass die Ressource Wasser regional sehr unterschiedlich verfügbar ist, die Lösungen also angepasst sein müssen. Dies kennzeichnet auch das 2014 vom Konzern-Steuerkreis Umwelt & Energie beschlossene Konzept, das vier Handlungsfelder formuliert:

  • Sichere Wasserver- und -entsorgung. Grundwasservorkommen sind vor Schadstoffeinträgen zu schützen, Produktionsausfälle durch Wassermangel zu verhindern.
  • Effizienz in der Wassernutzung über den Lebenszyklus. Durch den möglichst sparsamen, effizienten Einsatz von Wasser in der Produktion sowie möglichst geschlossene Kreisläufe ist der Gesamtbedarf so weit wie möglich zu reduzieren.
  • Soziales und ökologisches Engagement. Insbesondere mit unseren Biodiversitätsprojekten leisten wir Beiträge zum Schutz von Wasservorkommen und zum Umweltbewusstsein in der Öffentlichkeit.
  • Transparenz. Über unsere Ziele und Maßnahmen berichten wir der Öffentlichkeit. Volkswagen unterstützt seit 2015 als erstes Automobilunternehmen weltweit das CEO Water Mandate der Vereinten Nationen. Bereits seit 2011 beantworten wir zudem den sehr ausführlichen Fragebogen des CDP zum Thema Wassermanagement und legen so unsere Ansätze und Fortschritte detailliert offen.

Diese vier Ansprüche haben unsere Maßnahmen zur Wassereinsparung im Berichtsjahr gekennzeichnet: Im Volkswagen Werk in Chengdu (China) steht seit 2012 die erste Lackiererei Asiens, die mit dem umweltfreundlichen „EcoDry Scrubbers“-Verfahren arbeitet. Es reduziert den Wasserverbrauch in der Bandlackieranlage um bis zu 23 % im Vergleich zu lösungsmittelbasierten Verfahren. Am chinesischen Standort Foshan möchten wir sogar noch einen Schritt weitergehen und streben eine 100 %ige Verwertungsquote unseres Abwassers bis 2015 an. Das Bentley Werk in Crewe (Großbritannien) konnte dank umfangreicher Aufbereitungsmaßnahmen seinen Wasserverbrauch pro produziertem Fahrzeug von 2010 bis 2014 um 57 % senken. Über die Jahre besonders erfolgreich war das Volkswagen Werk in Pamplona (Spanien): Trotz deutlich gestiegener Produktion konnte es seinen absoluten Wasserbedarf von 2001 bis 2014 halbieren. Am brasilianischen Standort Curitiba sorgte 2014 eine einfache Maßnahme für große Wirkung: Das Wasser, das beim regelmäßigen Testen der Feuerlöschanlagen fließt, geht nun in ein Sammelbecken, das auch Regenwasser auffängt. Rund 18.000 m3 pro Jahr können so dem Kühlturm zugeführt werden und reduzieren dementsprechend deutlich die Menge von Frischwasser für die Kühlung.

Wir berücksichtigen die Tatsache, dass Wasser regional sehr unterschiedlich verfügbar ist.

Lösemittelemissionen

Durch den Anstieg der Fahrzeugproduktion und das damit verbundene größere Lackiervolumen kam es zu einem leichten Anstieg der absoluten VOC-Emissionen im Berichtszeitraum (siehe „VOC-Emissionen“). Im Fokus des Volkswagen Umweltprogramms „Think Blue. Factory.“ steht im Jahr 2015 deshalb die Verringerung von Lösemittelemissionen (VOC) in der Produktion. Um Potenziale für weitere Einsparmaßnahmen zu ermitteln, trafen sich Mitte Oktober 2014 Experten aus den Zentralbereichen Umwelt, aus „Think Blue. Factory.“ und Planung sowie Spezialisten aus Lackiererei, Umweltschutz, Standortplanung, Markenplanung und Prozesstechnik in Hannover zum gemeinsamen Pilotworkshop. Wie für die Kennzahlen Abfall zur Beseitigung und Wasser wurde ein Set von Werkzeugen und Maßnahmenvorschlägen aufbereitet, um es anschließend allen Werken zur Umsetzung zur Verfügung zu stellen.
Darüber hinaus steht Energie – und damit CO2 – im Fokus. Im Gegensatz zur Kennzahl VOC kann ein weit größerer Teil von Mitarbeitern auf den Energieverbrauch Einfluss nehmen – durch Ideen und individuelles Verhalten.

Abfallaufkommen

Bedingt durch die im Berichtszeitraum gestiegene Produktionsmenge ist auch das Abfallaufkommen der gefährlichen und der nicht gefährlichen Abfälle gestiegen. Die darin enthaltenen Anteile der Abfälle zur Beseitigung konnten im Jahr 2014 reduziert werden, während sich der Anteil der Abfälle zur Verwertung erhöhte (siehe „Abfall“).
Eine konzernweite Abfallstrategie hilft, in allen Werken Abfälle zu reduzieren und zu vermeiden. Reststoffe aus der Produktion, Verpackungsmaterialien sowie Rückstände aus Werkstätten und der Technischen Entwicklung werden bestmöglich verwertet. Für die Verwertung von erlösbringenden Wertstoffen aus der Produktion, wie beispielsweise Papier, Holz oder Metall, wurde von der Beschaffung ein konzernweites System ausgerollt, das zur Steigerung der Effektivität im gesamten Prozess beiträgt. Dabei steht nicht nur der Erlös im Fokus, sondern auch eine optimierte Aufbereitung der Abfälle für einen effizienten Transport. 52
2014 erklärte Scania die Vermeidung von Abfällen zum Fokusfeld und konzentrierte sich darauf, bei reduziertem Materialeinsatz zugleich eine höhere Verwertungsquote zu erzielen. Dazu ist eine enge Kooperation mit den Entsorgern geplant. Bereits 2013 hatte Bentley sein Ziel des „Null Deponiemülls“ erreicht. Dafür wurden Recyclinganlagen über den Standort verteilt und der Abfall pro Fahrzeug zwischen 2000 und 2013 um 85 % reduziert.
Auch bei unseren Standorten in China liegt ein großer Fokus auf der Reduktion von Abfall. So wurde im April 2014 zusammen mit unseren Joint-Venture-Partnern ein Abfallprojekt an den Standorten Anting und Foshan gestartet. Mit den Mitarbeitern und Partnerfirmen werden Konzepte erarbeitet, um durch verbesserte Sortierung, Lagerung und Handling des Abfalls innerhalb der Fabrik sowie optimierte Verwertungstechnologien bei den Entsorgern die Verwertungsquote zu erhöhen. Ziel ist, eine Recyclingquote von 80 % zu erzielen.

Umweltorientierte Logistik

Für die Anlieferung von Rohstoffen und Waren, für den Transport zwischen unseren Produktionsstandorten sowie für die Auslieferung unserer Fahrzeuge kommen alle Verkehrsträger zum Einsatz. Ziel ist, die Logistikprozesse so umweltverträglich und effizient wie möglich zu gestalten und einen immer höheren Anteil des gesamten Transportvolumens bei den Verkehrsträgern Schiene und See zu platzieren. Das Stichwort dafür heißt „Green Logistics“. Zur Koordination wurde 2012 ein eigener Konzern-Arbeitskreis berufen, der 2014 konkrete Arbeitspakete zu Maßnahmen, Bilanzierung, Kommunikation und Schulung sowie Methoden zur internen Zielerreichung entwickelte. Hierbei fand 2014 auch eine aktive Beratung durch den Naturschutzbund Deutschland statt.
Als erster Standort hat das Volkswagen Werk in Wolfsburg für seine Inhouse-Logistik 2014 eine bindende Zielvereinbarung verabschiedet. Demnach sollen die beim Einsatz von internen Lkw und der Werkeisenbahn entstehenden CO2-Emissionen um ein Viertel sinken. Einige Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der Logistik an diesem Standort: Täglich verlassen rund 210 Doppelstockwaggons und 140 Autotransporter mit insgesamt 3.400 fertigen Fahrzeugen das Wolfsburger Werk. Gleichzeitig liefern dort pro Tag etwa 2.600 Firmen ihre Erzeugnisse – Rohmaterialien, Teile oder Systemgruppen – mit rund 100 Eisenbahnwaggons und rund 910 Lastwagen an.

Umweltfreundliche und kostengünstige Verkehrsträger leisten einen wichtigen Beitrag zu den Konzernzielen.

Seit 2014 erfolgt auch der Transport der in Chemnitz gefertigten Motoren nach Emden vollständig per Bahn, jährlich reduziert dies die CO2-Emissionen um 165 t. Im europäischen Streckenverkehr konnten wir in 2014, durch den Verkehrsträgerwechsel von der Straße auf die Schiene, bei Bahnausschreibungen der Fahrzeugtransporte weitere 1.812 t CO2 jährlich sparen. Wir nutzen zugleich verstärkt Waggons, die strengste Lärmgrenzwerte einhalten und CO2 vermeiden. Die Konzernlogistik hat dazu von der Touax Rail Ltd. 300 Schiebewandwagen des polnischen Herstellers Greenbrier gemietet, die mit der sogenannten „Flüsterbremse“ ausgerüstet sind und durch eine Reduktion des Schalldruckpegels beim Bremsen eine Lärmminderung von mehr als 75 % erzielen. Die Waggons werden ab voraussichtlich Februar 2015 im Bahnverkehr zwischen europäischen Konzernwerken eingesetzt, wobei der CO2 -Ausstoß durch eine Transportverlagerung von der Straße auf die Schiene reduziert wird.

Auch bei Porsche werden jährlich spezifische Umweltziele vereinbart, um Verpackungen zu minimieren, Mehrwegsysteme zu fördern, effiziente Anlagentechnik zu beschaffen, Transporte zu vermeiden und umweltgerechte Verkehrsträger einzusetzen. Im Bereich der Inbound-Transportlogistik werden an die beauftragten Speditionen umweltrelevante Anforderungen gestellt, wie etwa der Einsatz von schadstoffarmen Fahrzeugen, Fahrtrainings oder Vorgaben zu den Wartungsintervallen der Fahrzeuge. Seit 2014 zählen 100 % der für Porsche eingesetzten Lkw von Spediteuren zur Emissionsklasse Euro 5 oder besser. Alle Logistikprozesse bei Porsche sind außerdem nach DIN ISO 9001 und ISO 14001 zertifiziert. Auch die Seeschifffahrt ist für Porsche von großer Bedeutung. Durch die Integration eines dritten Hafens ins Transportnetz konnten allein in China rund 45 % CO2-Einsparungen erreicht werden. In Großbritannien wurde durch die Ausweitung des Transportnetzes auf zwei Häfen eine zusätzliche CO2-Einsparung von etwa 10 % erreicht.
Im Zuge der zunehmenden Internationalisierung des Volkswagen Konzerns ist der Transport über Wasser von zentraler Bedeutung. Durch die Nutzung von umweltfreundlichen und kostengünstigen Verkehrsträgern wie den Wasserstraßen leistet die Logistik einen wichtigen Beitrag zu den Konzernzielen. Ein wichtiger Schritt 2014 war hier auch die Eröffnung des Containerterminals Fallersleben der GVZ Entwicklungsgesellschaft mbH als neuer Bestandteil des Multimodalen Logistikzentrums Wolfsburg. Im ersten Betriebsjahr wurden bereits etwa 152.751 m³ Material der Volkswagen AG als einem Hauptkunden des GVZ Wolfsburg umgeschlagen.

Clean Shipping Index

Biodiversität

Der Schutz der biologischen Vielfalt gehört zu den erklärten Zielen des Unternehmens. In einem Mission Statement bekannte sich Volkswagen schon 2007 dazu, sich „an allen seinen Standorten“ für den Artenschutz zu engagieren. Als Mitglied der Initiative „Biodiversity in Good Company“ verpflichteten wir uns zudem, die Biodiversität schrittweise in die Managementprozesse zu integrieren. So ließ Volkswagen bis 2014 insgesamt 32 Gutachten erstellen, in denen Emissionsrisiken an europäischen Produktionsstandorten mit Blick auf Gewässer, Böden und Biodiversität analysiert und bewertet werden. Außerdem nutzen wir bevorzugt industriell erschlossene Flächen, um die Bodenversiegelung so gering wie möglich zu halten.
Die Entwicklung handhabbarer Managementtools treibt Volkswagen auch durch die Mitwirkung an Expertendialogen und wissenschaftlichen Studien voran. Dazu zählen der Arbeitskreis „Managementindikatoren“, der von „Biodiversity in Good Company“ und econsense gemeinsam getragen wird, ebenso wie das vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik geleitete und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit (BMU) begleitete Forschungsprojekt zur „Biodiversitäts-Wirkungsabschätzung von Produktsystemen“. 53
Die Initiative „Biodiversity in Good Company“ nutzten wir 2014 erneut – erstmals auch für unsere Lieferanten – als Lern- und Dialogplattform und förderten mit ihrer Hilfe die Vernetzung der Akteure in Politik, Behörden, Verbänden und Hochschulen, auch international. Der NABU diente weiter als Ratgeber und Projektpartner.
Freiwillige Projekte zum Schutz der Biodiversität oder zur Sicherung von Ökosystemleistungen konzentrierten sich auf die Handlungsfelder Forschungsförderung, Biotopvernetzung, Natur- und Artenschutz sowie Aufforstung und Waldumwandlung und wurden oft mit Maßnahmen der Umweltbildung kombiniert. Leuchtturmprojekte waren

  • das mit 260.000 € erstmals geförderte Projekt „Think Blue. Nature.“ im Biodiversitäts-Korridor CESMO (= Corridor Ecologico Sierra Madre Oriental, 4 Mio. Hektar) mit seinen rund 650 bedrohten Arten sowie die im April 2014 gestartete Initiative „Eco Chavos” als Gemeinschaftsprojekt von Volkswagen de México, der mexikanischen Regierung und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ): 300 Jugendliche sollen als Umweltbotschafter bis zu 10.000 junge Menschen inspirieren, an Naturschutzaktionen in einem der sieben Naturschutzgebiete des CESMO-Korridors teilzunehmen. 54
  • die langjährige Initiative „Por amor al planeta“ von Volkswagen de México als landesweit größtes privates Forschungsförderprogramm.
  • die Informationskampagne „Willkommen Wolf“ und die Unterstützung der Renaturierung der Unteren Havel in Deutschland mit ihren rund 1.000 bedrohten Arten, beides zusammen mit dem NABU.
  • das von Volkswagen Financial Services und dem NABU entwickelte und im September 2014 zum „Offiziellen Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ erklärte Umweltprogramm, das die Förderung ökologischen Fuhrparkmanagements mit der Wiedervernässung von inzwischen 13 deutschen Moorlandschaften ( = CO2-Senken) verknüpft.
  • das von der AUDI Stiftung für Umwelt geförderte Umweltzentrum „Klassenzimmer Natur“ Breitengrüßbach, ausgezeichnet als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt, und das über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einem Betrag von 250.000 € geförderte „Steigerwald-Zentrum“.

Das von Volkswagen Financial Services und dem NABU entwickelte Umweltprogramm verknüpft die Förderung ökologischen Fuhrparkmanagements mit der Wiedervernässung von deutschen Moorlandschaften.

Die langjährige Initiative „Por amor al planeta“ von Volkswagen de México ist landesweit das größte private Forschungsförderprogramm.

Das Werk in Chattanooga der Volkswagen Group of America erhielt 2014 den zum ersten Mal verliehenen „Rain Catcher Award“. Die Environmental Protection Agency würdigt damit Maßnahmen, die eine grüne Infrastruktur fördern und zum Gewässerschutz beitragen. Ebenfalls 2014 erhielt das Werk in Chattanooga den „Best Green Business Award“ der Zeitung Chattanooga Times Free Press.