Wirtschaft

Lieferantenmanagement

Die Volkswagen Konzern-Beschaffung kauft zentral im Wesentlichen Produktionsmaterial, Dienstleistungen und Sachinvestitionen ein. Das beschaffte Volumen nahm im Berichtsjahr um 7,7 % auf 145,5 Mrd. € zu. Diese Zahlen enthalten die Werte für die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen. Der Anteil der Zulieferer in Deutschland lag bei 36,1 %.

Konzept und Organisation

Zur stabilen und effizienten Ausgestaltung unserer Waren- und Dienstleistungsströme hat der Volkswagen Konzern bereits im Jahr 2006 das Konzept „Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen“ etabliert und kontinuierlich weiterentwickelt. Zusammen mit den klassischen Prioritäten wie Qualität, Preis und Lieferzeiten ist es mittlerweile fester Bestandteil unseres Beschaffungsprozesses. Nachhaltigkeitsstandards in der Lieferkette zu fordern und nachzuverfolgen, bedeutet für uns vor allem Risikominimierung. So können potenzielle Lieferausfälle und Reputationsrisiken vermieden und eine gleichbleibende Qualität der bezogenen Waren und Dienstleistungen sichergestellt werden. Von den dadurch entstehenden langfristigen Lieferantenbeziehungen profitieren beide: der Konzern und seine Zulieferer.

Mit dem auf drei Säulen stehenden Konzept wollen wir negative soziale, ökologische und finanzielle Auswirkungen in unserer Lieferkette minimieren und verhindern:

  • Ein Früherkennungssystem identifiziert Risiken entlang der Wertschöpfungskette.
  • Nachhaltigkeitsanforderungen sind vertraglich in den Beschaffungsprozess integriert. Sie sind von Zulieferern, die über die Konzern-Business-Plattform ihr Angebot abgeben, im Vorfeld zur Kenntnis zu nehmen. Eine Angebotsabgabe ist sonst nicht möglich.
  • Lieferantenmonitoring und -entwicklung.

Die Effektivität unseres Konzepts überprüfen wir regelmäßig durch Benchmarks mit anderen Unternehmen sowie durch intensive Analyse der Ergebnisse von Nachhaltigkeitsratings. 2014 organisierten wir zudem einen Stakeholderdialog-Tag zu Nachhaltigkeit in der Lieferkette mit Geschäftspartnern, Verbänden und NGOs. Dadurch gewinnen wir wertvolle Hinweise für die weitere Optimierung und Entwicklung.
In den letzten Jahren haben wir das Konzept Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen konsequent auf alle Marken des Konzerns ausgeweitet.
Um das Konzept im Unternehmen weiter zu verfestigen, sensibilisieren und schulen wir unsere Mitarbeiter kontinuierlich. In den Beschaffungsakademien der einzelnen Standorte ist das Konzept daher fester Bestandteil des Qualifizierungsplans. Darüber hinaus fanden auch 2014 wieder fachbereichsübergreifende Schulungen statt. Insgesamt wurden im Berichtsjahr mehr als 900 Einkäufer zum Thema Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen qualifiziert. Um unser Konzept intern wie extern verstärkt zu kommunizieren, haben wir 2014 zudem eine eigene Broschüre herausgebracht, die über die Konzern-Business-Plattform zur Verfügung steht.  22

Risikoanalyse

Potenzielle Geschäftspartner und Zulieferer unterzieht der Volkswagen Konzern einem Integritätscheck (Business-Partner-Check). Insbesondere durch die Betrachtung der gesellschaftlichen Integrität des potenziellen Lieferanten wollen wir das Risiko einer geschäfts- und unternehmensschädigenden Zusammenarbeit vermeiden. Deshalb durchlaufen diejenigen Lieferanten, die sich neu auf der Konzern-Business-Plattform anmelden, im Rahmen des Onboarding den Business-Partner-Check.

Beschaffungsvolumen 2014 nach Commodities*

* Nicht berücksichtigt bei der Erhebung der Umsatzverteilung sind Warenlieferungen der Lieferanten der Marken BUGATTI, Scania, ŠKODA India und der chinesischen Joint Ventures.

Viele tausend Teile aus der ganzen Welt müssen den Anforderungen des nachhaltigen Lieferantenmanagements entsprechen.

Um schon vor Verhandlungen mit potenziellen Lieferanten eine Einschätzung zu sozialen, ökologischen und menschenrechtsbezogenen Risiken der jeweiligen Standorte der Lieferanten zu erhalten, wendet der Volkswagen Konzern eine Länderrisikoanalyse an. Diese wird aus Daten Dritter sowie aus internen Erfahrungswerten gespeist. Auf dieser Basis wurden vor allem Brasilien, Indien, China, Mexiko und Russland als die Länder identifiziert, in denen ein erhöhtes Risiko der Nichteinhaltung unserer Nachhaltigkeitsanforderungen besteht. Wir legen insbesondere bei der Lieferantenentwicklung daher einen Fokus auf diese Länder. Um aktuelle Entwicklungen ebenso wie langfristige strukturelle Herausforderungen in den einzelnen Ländern zu identifizieren, setzen wir auf den ständigen Austausch zwischen den Marken und Regionen im Rahmen von regelmäßigen Treffen und Videokonferenzen des Beschaffungsnetzwerks Nachhaltigkeit.

Beschaffungsvolumen 2014
in Mrd. €

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Nach Marken
­Volks­wa­gen Pkw 85,5
Audi1 25,7
MAN2 7,8
ŠKODA 7,1
Scania 6,5
SEAT 4,4
­Volks­wa­gen Nutzfahrzeuge 2,6
Porsche 5,0
Bentley 0,8
­Volks­wa­gen Konzern 145,5

Nach Regionen
Europa/Übrige Märkte 93,5
Asien-Pazifik 39,1
Südamerika 6,7
Nordamerika 6,2
Gesamt 145,5

1 Audi inklusive Lamborghini und Ducati.
2 MAN inkl. MAN Truck & Bus, MAN Diesel & Turbo und MAN Latin America.

Risikomanagement in der Beschaffung

Seit 2013 engagieren wir uns in der von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Investoren und Unternehmen gemeinsam getragenen Extractive Industries Transparency Initiative (EITI). Sie will Korruption bekämpfen und fordert dafür die Offenlegung von Geldströmen im Zusammenhang mit Rohstoffen. Zudem setzen wir uns im Rahmen unserer ständigen Mitarbeit im UN Global Compact Beratergremium zu Nachhaltigkeit in der Zulieferkette für mehr Transparenz in der Lieferkette ein. Der Volkswagen Konzern unterstützt das Anliegen der EU Kommission, die Finanzierung bewaffneter Konflikte durch den Rohstoffhandel einzudämmen. Wir beteiligen uns aktiv an der Positionsentwicklung in den nationalen und europäischen Industrieverbänden. Befürwortet wird der Ansatz freiwilliger Selbstzertifizierung im Upstream-Bereich der Lieferkette.

Nachhaltigkeitsanforderungen und Integration

Grundlage unserer Lieferantenbeziehungen sind die konzernweit gültigen „Anforderungen des Volkswagen Konzerns zur Nachhaltigkeit in den Beziehungen zu Geschäftspartnern (Code of Conduct für Geschäftspartner)“ (siehe „Compliance“). Sie formulieren die Erwartungen an das Verhalten der Geschäftspartner in Bezug auf zentrale Umwelt- und Sozialstandards und basieren unter anderem auf den Prinzipien des UN Global Compact, der Charta der Internationalen Handelskammer für eine langfristige und tragfähige Entwicklung sowie den einschlägigen Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation. Ergänzt werden diese Anforderungen durch die Volkswagen Umweltpolitik, die daraus abgeleiteten Umweltziele und Umweltvorgaben, die Qualitätspolitik sowie die Erklärung sozialer Rechte von Volkswagen.
Vor Abgabe eines Angebots muss die Kenntnisnahme der Nachhaltigkeitsanforderungen bestätigt und alle zwölf Monate aktualisiert werden. Seit November 2013 sind die Anforderungen für alle Lieferanten der Allgemeinen Beschaffung und seit Januar 2014 auch für alle Lieferanten von Produktionsmaterialien vertraglich integriert. Die Anforderungen gelten für alle beschafften Waren und Dienstleistungen weltweit. Unsere direkten Lieferanten werden verpflichtet, die Anforderungen wiederum an ihre Lieferanten weiterzugeben.
Weiterhin fordert Volkswagen von seinen Hauptlieferanten ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem gemäß ISO 14001 und/oder EMAS. Überprüft und dokumentiert ist dies für 87 % unserer Hauptlieferanten. Im Rahmen der Umweltzertifizierung und Auditierung der Standorte der Volkswagen AG nach EMAS und ISO 14001 werden auch die auf dem Werksgelände tätigen umweltrelevanten Dienstleister und Lieferanten regelmäßig überprüft.
Alle Lieferanten sind im Verlauf des Geschäftsprozesses aufgefordert, den Fragebogen Nachhaltigkeit auszufüllen und zu dokumentieren, welche Maßnahmen sie in den Bereichen Umweltschutz und Sozialstandards umgesetzt haben. Zum 31. Dezember 2014 haben den Fragebogen 15.405 Lieferanten des Konzerns beantwortet. Dies entspricht einer Abdeckung von 87 % des Gesamtumsatzes, den wir mit Lieferanten tätigen.

Umsatzbasierte Anteile von Umwelt- und Sozialzertifikaten bei Hauptlieferanten

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  2014   2013   2012  

Umweltzertifikate (EMAS, ISO 14001)
Geprüft1 48 % 44 % 30 %
Selbstauskunft 39 % 40 % Nicht berücksichtigt
Summe 87 % 84 % Nicht berücksichtigt

Sozialzertifikate (OHSAS 18001, SA8000, AA 1000)
Geprüft1 (Summe) 8 % 6 % Nicht berücksichtigt

1 Bezogen auf alle Lieferanten beträgt der Anteil bei EMAS/ISO 14001 77 % und bei den Sozialzertifikaten 7 %.

Lieferantenentwicklung und -qualifizierung

Im Interesse der kontinuierlichen Lieferantenentwicklung stellen wir allen Lieferanten im Verlauf der Geschäftsbeziehung ein elektronisches Lernmodul Nachhaltigkeit (E-Learning) in allen Sprachen der definierten Risikoländer zur Verfügung. Hat ein Lieferant dies absolviert, durchläuft er einen Abschlusstest. Bis Ende 2014 hatten 14.457 Lieferanten das E-Learning absolviert, was einer Abdeckung von 71 % des Umsatzes entspricht. Dieses Tool steht sowohl den Mitarbeitern des Lieferanten als auch den Mitarbeitern der Beschaffung der Volkswagen AG zur Qualifizierung zur Verfügung.

Status Fragebogen Nachhaltigkeit und E-Learning

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  Anzahl 2012   Anzahl 2013
(neu dazu­gekommen)  
Anzahl 2014
(neu dazu­gekommen)  
Anzahl
2014 + 2013 + 2012  
Status 2014,
umsatzbasiert  
Ziel 2015,
umsatzbasiert  
Fragebogen Nachhaltigkeit
(Selbstauskunft)
7.812 3.937 3.656 15.405 87 % 89 %
Durchschnittliches Ergebnis 90/100 89/100 90/100 92/100
E-Learning 2.420 6.232 5.805 14.457 71 % 73 %

Neben dem E-Learning führen wir regionen- und themenspezifische Nachhaltigkeitstrainings und -workshops mit unseren Lieferanten durch. Im Berichtszeitraum fanden unter anderem Veranstaltungen in Brasilien, Argentinien, Deutschland und Polen statt. Zusätzlich fand im November 2014 im Rahmen der European Automotive Working Group on Supply Chain Sustainability ein Supply-Chain-Forum in Istanbul statt. Im intensiven Dialog von Lieferanten und Herstellern wurden hier wichtige Herausforderungen und Lösungen besprochen mit dem Ziel, die Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu verbessern. Der Fokus dieser Veranstaltung lag auf den sozialen Rechten. Durch unsere vielfältigen Maßnahmen konnten wir so im Jahr 2014 mehr als 900 Lieferanten zum Thema Nachhaltigkeit qualifizieren.

Lieferantenmonitoring und -audits

Für das nachhaltige Management der Lieferkette nutzt der Volkswagen Konzern ein internes System. Hierin verfügbar sind lieferantenspezifische Nachhaltigkeitsinformationen, die eine ganzheitliche Lieferantenanalyse ermöglichen. Wenn zu vermuten ist, dass direkte Lieferanten oder Sublieferanten unsere Nachhaltigkeitsanforderungen nicht erfüllen, bitten wir diese um eine schriftliche Stellungnahme auf Grundlage eines standardisierten Berichts (sogenannter 6-D-Report): Anhand von sechs zu beantwortenden Punkten können sie den Sachverhalt und korrigierende Maßnahmen darstellen. Sind die Antworten nicht zufriedenstellend, ergreifen wir weitere angemessene Maßnahmen wie beispielsweise die Prüfung von Dokumenten, Vor-Ort-Besuche bei Lieferanten oder auch weitere, individualisierte Qualifizierungsmaßnahmen für Lieferanten. Die Koordination übernimmt das Ad-hoc-Expertenteam in Wolfsburg gemeinsam mit den Expertenteams der jeweiligen Marken und Regionen. Je nach Sachlage werden Experten aus Fachbereichen wie Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz oder Personal hinzugezogen. Mit all diesen Lieferanten wurden spezifische Verbesserungsmaßnahmen vereinbart.

Nachhaltigkeitstraining mit Lieferanten des Volkswagen Konzerns in Argentinien.

Ad-hoc-Fälle 2014

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Geografische Verteilung 1   Inhaltliche Verteilung   Art des Lieferanten  
Europa 15 Fälle Umweltschutz 2 Fälle Direkter Lieferant 23 Fälle2
Asien 6 Fälle Sozialstandards 20 Fälle Beteiligung Unterlieferant 2 Fälle
Nord- und Südamerika 4 Fälle Umweltschutz & Sozialstandards 2 Fälle
Afrika Kein Fall Compliance 1 Fall

1 Bei der Beteiligung von Unterlieferanten wurde der geografische Ort des Unterlieferanten als Grundlage der geografischen Verteilung verwendet. Russland und die Türkei werden bei der geografischen Verteilung Asien zugewiesen.
2 Beinhaltet einen Fall mit der Beteiligung des direkten Lieferanten und Unterlieferanten.

2014 wurden beispielsweise bei einem unangekündigten Besuch bei einem Lieferanten Verstöße im Bereich der Arbeitssicherheit festgestellt. Vor Ort wurde mit dem Lieferanten unmittelbar ein Maßnahmenplan erstellt, der unter anderem die Einführung von Beschilderung der Notausgänge oder das korrekte Anbringen von Feuerlöschgeräten beinhaltete. Durch die erfolgreiche Umsetzung des Maßnahmenplans durch den Lieferanten konnten so die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter des Zulieferers nachhaltig verbessert werden.

Durch partnerschaftlichen Dialog und Entwicklung des Lieferanten schaffen wir nachhaltige Lieferantenbeziehungen.

Grundsätzlich stehen bei allen Prozessschritten und bei allen Maßnahmen der faire partnerschaftliche Dialog und die Entwicklung des Lieferanten im Vordergrund. Zentrales Ziel ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit. Gleichwohl behält sich der Volkswagen Konzern das Recht vor, die Einhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen bei Geschäftspartnern durch interne Experten oder durch ein externes Audit zu den regulären Geschäftszeiten vor Ort zu prüfen. Werden unsere Nachhaltigkeitsanforderungen nicht eingehalten, beenden wir die Geschäftsbeziehung vor allem dann, wenn der Lieferant keine Bereitschaft zur Entwicklung zeigt. Im Berichtszeitraum trat kein solcher Fall ein.
Als Anlaufstelle bei internen oder externen Verdachtsmomenten hinsichtlich möglicher Verstöße gegen unsere Nachhaltigkeitsanforderungen, insbesondere im Bereich Einschränkung der Menschenrechte in der Lieferkette, dient die Adresse sustainability@vwgroupsupply.com. Darüber hinaus besteht für Mitarbeiter wie für Externe die Möglichkeit, potenzielle Verstöße über die nationalen oder internationalen Arbeitnehmervertretungen des Volkswagen Konzerns sowie die nationalen oder internationalen Gewerkschaftsverbände zu adressieren.