Wirtschaft

Wachstum
nicht um jeden Preis.

Der Volkswagen Konzern wächst von Jahr zu Jahr. 2014 verkauften wir erstmals mehr als 10 Mio. Fahrzeuge. Damit sind wir unserem Konzernziel näher gekommen, im Jahr 2018 der weltweit führende Automobilkonzern zu sein. Den Erfolg messen wir aber nicht allein in Absatzzahlen, sondern auch bei Rentabilität, Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit.

Managementansatz

Produktionsprozesse quer durch die Marken zu optimieren, neue und innovative Produkte zu entwickeln und in unsere Anlagen und Mitarbeiter zu investieren: Das ist angesichts von Herausforderungen wie Globalisierung, Digitalisierung oder zunehmender Regulierung notwendiger denn je. Um unsere Marktpräsenz weiter auszubauen und neue Märkte zu erschließen, müssen wir Mobilität neu definieren: Das reicht von Elektromobilität über das automatisierte Fahren bis hin zu vernetzten Mobilitätssystemen. Hier eine Schrittmacherrolle einzunehmen, wird hohe Investitionen erfordern. Um unsere wirtschaftliche Stabilität vor dem Hintergrund von Marktverschiebungen und wirtschaftlicher Unsicherheit zu bewahren und zu stärken, setzen wir weiterhin auf die enorme Diversifizierung unserer Produktpalette und eine breite Aufstellung in den globalen Märkten. Unser Grundsatz einer möglichst hohen lokalen Wertschöpfung bringt zahlreiche wirtschaftliche Vorteile und reduziert Risiken (siehe „Lokale Wertschöpfung“). Zugleich setzen wir damit wichtige Impulse für die lokale Entwicklung und können den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen besser gerecht werden.
Stabilität und Rentabilität sind daher ein zentrales Handlungsfeld des Volkswagen Konzerns – als Fundament, um nachhaltig zu wachsen und in die Zukunft zu investieren. Unser Zukunftsprogramm „Future Tracks“ ist deshalb auch als Effizienzprogramm ins Leben gerufen worden: Wir wollen weiter profitabel wachsen, damit wir dauerhaft in der Lage sind, in die Zukunft des Volkswagen Konzerns zu investieren. Durch den Einsatz von intelligenten Innovationen und Technologien wollen wir bei Kundenzufriedenheit und Qualität weltweit führend sein. Der nachhaltige Erfolg des Konzerns hängt aber auch davon ab, wie frühzeitig wir Risiken und Chancen erkennen und wie konsequent wir Gesetze, ethische Grundsätze und Selbstverpflichtungen verfolgen. Ein vorausschauendes Risikomanagement und eine stringente Compliance-Organisation sind für uns deshalb von entscheidender Bedeutung. Hohe Standards setzen wir nicht nur intern an, sondern verlangen deren Einhaltung auch von unseren Lieferanten.

Entwicklung der Märkte

Mit Blick auf die weltweite Entwicklung der Nachfrage nach Pkw und Nutzfahrzeugen sind die Wachstumsmärkte in Asien, Südamerika sowie Zentral- und Osteuropa von besonderer Bedeutung für den Volkswagen Konzern. Diese Märkte haben ein großes Potenzial, allerdings erschweren die Rahmenbedingungen in einigen Ländern dieser Regionen eine Steigerung der dortigen Absatzzahlen. In Russland beispielsweise hemmten die politische Krise und deren wirtschaftliche Folgen die dortige Marktentwicklung. Nichtsdestotrotz hat Russland das Potenzial, zu einem der größten Automobilmärkte der Welt zu werden. Der US-amerikanische Fahrzeugmarkt ist dank der erfreulichen wirtschaftlichen Entwicklung und der günstigen Finanzierungsbedingungen im Jahr 2014 erneut spürbar gewachsen. Da der krisenbedingt aufgestaute Ersatzbedarf weitgehend gedeckt ist, sollte das Marktwachstum nun jedoch an Dynamik verlieren. In Brasilien trübte sich die wirtschaftliche Situation nach einem vielversprechenden Start im Verlauf des Berichtsjahres ein, was auch die Fahrzeugmärkte negativ beeinflusste. Steigende Inflationsraten und Zinsen führten dazu, dass sich die Fahrzeuge verteuerten. Um unsere Wettbewerbsposition hier zu stärken, bieten wir speziell für diesen Markt entwickelte und lokal produzierte Fahrzeuge an, etwa den Gol oder den Fox. China, der größte Markt der Region Asien-Pazifik, setzte sein Wachstum im Berichtsjahr fort. Hier wird die Nachfrage nach Fahrzeugen wegen des Bedarfs an individueller Mobilität auch in den nächsten Jahren weiter steigen. Voraussichtlich wird sich dieses Wachstum verlangsamt fortsetzen und von den großen Metropolen an der Küste ins Landesinnere verlagern.

Grundsätze und Leitlinien

Unser wirtschaftliches Handeln richtet sich an unseren Grundsätzen und den strategischen Zielen des Konzerns aus:

  • Volkswagen Konzernwerte: 2002 verabschiedet, bilden sie die Basis unseres Handelns (siehe „Nachhaltige Unternehmensführung“).
  • Verhaltensgrundsätze des Volkswagen Konzerns (Code of Conduct): Die 2010 eingeführten konzernweit gültigen Verhaltensgrundsätze (siehe „Compliance“) sind auch von unseren Geschäftspartnern zu beachten.
  • Anforderungen des Volkswagen Konzerns zur Nachhaltigkeit in den Beziehungen zu Geschäftspartnern (Code of Conduct für Geschäftspartner): Erstmals 2006 definiert und 2013 überarbeitet, formulieren sie Erwartungen an Geschäftspartner bezüglich zentraler Umwelt- und Sozialstandards. 18
  • Steuer- und Zoll-Policy: Im Jahr 2014 erarbeitet, beschreibt sie unseren konzernweiten Ansatz zum Thema Steuern und Zölle. 19
  • Qualitätspolitik: Für die Marke Volkswagen wurde 2008 eine Qualitätspolitik verabschiedet, die Aussagen trifft zu Produkt- und Prozessqualität, Kundenzufriedenheit und Liefertreue. Ähnliche Politiken sind auch bei den anderen Konzernmarken in Kraft.

Modulare Strategie

Ein wichtiges Instrument bei der Verfolgung unserer wirtschaftlichen Ziele ist der Modulare Querbaukasten (MQB). Der MQB ist ein einheitliches technisches Grundgerüst für fast alle zukünftigen Konzernfahrzeuge, deren Motor quer zur Fahrtrichtung eingebaut ist. Er bietet die Möglichkeit, gleiche Bauteile in verschiedenen Fahrzeugen zu verwenden, und senkt dadurch Entwicklungskosten und Fertigungszeiten. Durch den Austausch einzelner Komponenten hilft der MQB, rasch auf die Veränderung von Kundenwünschen zu reagieren. Er kann langfristig von mehreren Konzernmarken genutzt werden, um unterschiedliche Fahrzeugklassen auf einer Fertigungslinie zu bauen. Bei gravierenden Marktveränderungen kann er damit Überkapazitäten sowie Fehlallokationen vermeiden helfen. Der MQB eröffnet uns die Chance, neben konventionellen Benzin- und Dieselmotoren auch alternative Aggregate, zum Beispiel Gas-, Hybrid- oder Elektroantriebe, zu integrieren – angesichts weltweit unterschiedlicher und sich weiterentwickelnder CO2-Regulierung ein unschätzbarer Flexibilitätsgewinn. Auch neue Assistenzsysteme wie Verkehrszeichen- oder Fußgängererkennung, Stauassistenten oder Emergency Assist können mit dem MQB eingebaut werden. Für die Marken Volkswagen, Audi, SEAT und ŠKODA wurde der MQB im Jahr 2012 eingeführt und bis 2014 über 2,5 Mio. Fahrzeuge auf dieser Basis produziert. Als weitere Modelle im Jahr 2014 wurden der Audi A3 e-tron, der Volkswagen Passat und Passat Variant sowie die Golf-Modelle Golf Variant CNG, Golf GTE, e-Golf und der Golf Sportsvan auf Basis des MQB gefertigt. Das korrespondierende Gegenstück der Produktion ist der Modulare Produktionsbaukasten (MPB), der für den kompletten Produktionsprozess anlagenbezogene Standards festlegt.

Qualitätssicherung

Volkswagen verfolgt weltweit eine einheitliche Qualitätsstrategie im Konzern. Eine wachsende Anzahl von Produktionsstandorten und marktspezifischen Modellvarianten stellt die Qualitätssicherung von der Produktentwicklung bis zum Service vor große Herausforderungen. Um unseren hohen Qualitätsansprüchen weltweit gerecht zu werden, wird die Qualitätsarbeit über ein zentrales Gremium markenübergreifend gesteuert. Dadurch wird sowohl organisatorisch als auch thematisch ein hoher Grad an Standardisierung erreicht. Der Konzern vernetzt dabei die Marken und Regionen und steuert die übergreifenden Prozesse. Die Verantwortung für die Qualität der Produkte liegt bei den jeweiligen Marken und Regionen. An allen Standorten und über den gesamten Produktlebenszyklus sind etwa 16.100 Qualitäts-Mitarbeiter in die Prozesse eingebunden und sorgen dafür, dass durch Fehlervermeidung und -abstellung unser Wachstum abgesichert wird.

WESENTLICHE ZAHLEN NACH MÄRKTEN 1

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Absatz   Umsatzerlöse  
Tsd. Fahrzeuge/Mio. €   2014   2013   2014   2013  
Europa/Übrige Märkte 4.430 4.209 122.858 117.062
Nordamerika 879 901 27.619 27.434
Südamerika 794 987 13.868 17.495
Asien-Pazifik2 4.114 3.632 38.113 35.016
Volkswagen Konzern2 10.217 9.728 202.458 197.007

1 Die Zahlen sind jeweils für sich gerundet; das kann bei der Addition zu geringfügigen Abweichungen führen.
2 Die Umsatzerlöse der Joint-Venture-Gesellschaften in China sind in den Werten des Konzerns und des Marktes Asien-Pazifik nicht enthalten.

Konzepte automatisierten Fahrens bei Audi und Scania

Automatisiertes Fahren

Seit einem Vierteljahrhundert entwickelt der Volkswagen Konzern Konzepte zum automatisierten Fahren – beginnend mit Fahrerassistenzsystemen, die zur Verkehrssicherheit beitragen, indem sie den Fahrer optimal unterstützen und Fahrfehler reduzieren. Künftig wird es aber zunehmend darum gehen, die Geschwindigkeit der einzelnen Fahrzeuge über Kommunikation anzupassen und damit den gesamten Verkehrsfluss sowie letztendlich auch den Energieverbrauch zu optimieren.
Audi ist hier eine treibende Kraft: Die Marke bietet von der Audi Adaptive Cruise Control mit Stop & Go-Funktion bis zur Verkehrszeichenerkennung über ihre ganze Modellpalette hinweg Assistenzsysteme, die das Fahren komfortabler machen. Seine neu entwickelten Technologien zum pilotierten Fahren wird Audi noch in diesem Jahrzehnt einführen. Sie können, wenn der Fahrer dies wünscht, in bestimmten Situationen die Fahrzeugsteuerung komplett übernehmen – etwa im Stau oder beim Einparken. Als erster Automobilhersteller der Welt hat Audi 2013 von den Behörden des US-Bundesstaats Nevada die Genehmigung erhalten, pilotiert fahrende Testautos im öffentlichen Verkehr zu bewegen. Der neue Audi Q7, der 2015 auf den Markt kommen wird, weist wegweisende Lösungen wie den Prädiktiven Effizienzassistenten, den Anhängerassistenten und die Adaptive Cruise Control inklusive Stauassistenten auf. Andere Marken des Konzerns arbeiten an ähnlichen Konzepten. So hat die Marke Volkswagen 2012 ihren „Temporary Auto Pilot“ vorgestellt, der ein Fahrzeug auf Autobahnen bei einem Tempo von bis zu 130 km/h allein steuern kann. In naher Zukunft kann er serienreif sein.
Auch im Nutzfahrzeugbereich stehen intelligente elektronische Assistenzsysteme im Fokus. Scanias aktuelle Entwicklungen von Fahrerassistenzsystemen unterstützen die Lkw-Fahrer bei ihrer täglichen Arbeit, erhöhen die Sicherheit und senken den Kraftstoffverbrauch. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der 2013 eingeführte Notbremsassistent, der 2014 innerhalb der EU verpflichtend wurde. Das System bremst automatisch das Fahrzeug, wenn im Falle eines Hindernisses auf der Straße der Fahrer nicht reagiert. Die nächste Generation elektronischer Assistenzsysteme, die gerade bei Scania entwickelt werden, bieten eine Reihe automatischer Unterstützungssysteme, die mit Hilfe von Sensortechnologien wie Videokameras, Radar- oder Ultraschallsensoren die Fahrzeugführung unterstützen und so für mehr Effizienz und Sicherheit sorgen. Aktuell werden diese Systeme für die Bergbauindustrie realisiert. Parallel entwickelt Scania Systeme für das Fahren bei höherem Tempo in einer Kolonne auf der Autobahn. Im Vordergrund dieser vielversprechenden Ansätze zum sogenannten Platooning steht der Wunsch, Kraftstoff einzusparen. Aktuell leitet Scania das Projekt COMPANION, mit dem die Europäische Union diesen Ansatz weiter ausloten und womöglich notwendige Änderungen in der Gesetzgebung untersuchen will.

Weniger Unfälle, weniger Staus, weniger Verkehrsbehinderungen durch intelligente Fahrzeuge.

Gemäß dem 2014 überarbeiteten UN-Abkommen zum Straßenverkehr sind automatische Systeme inzwischen zulässig, wenn sie jederzeit vom Fahrer überstimmt oder abgeschaltet werden können. Doch selbst dies kann sich ändern. Computer fahren sicherer als abgelenkte oder müde Fahrer. Sie reagieren schnell und präzise. Weniger Unfälle, weniger Staus, weniger Verkehrsbehinderungen und gleichzeitig entspannter am Ziel ankommen – das sind die Vorzüge des intelligenten Autos. Um den Anforderungen der modernen Gesellschaft gerecht zu werden, arbeitet der Volkswagen Konzern an diesen hochkomplexen Aufgaben.